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Ihre Buchhandlung für Literatur, Politik, Psychoanalyse, Theater, Fussball, Feminismus - und alles andere.

Der Artikel ist vom Autor Michael Guggenheimer im Juli 2014 auf buchort.ch erschienen.

Es ist die Vorurteilsfalle: Beim Anschauen der Homesite der Buchhandlung im Volkshaus stosse ich auf eine Unterseite mit dem Titel „Links“. Ich denke spontan an linke Bewegungen, an Sozialdemokratie, an Sozialismus, an die kleine kommunistische Partei PdA, an Widerstandsbewegungen sowie an linke Theologen in Lateinamerika und bin überrascht, dass diese Seite bloss „Links“ in der englischen Bedeutung des Wortes aufweist, mit dem Verlage hingewiesen wird, die die Buchhändler besonders mögen. Die Buchhandlung im Volkshaus ist für mich die linke Buchhandlung Zürichs. Erst recht seitdem es die Buchhandlung Pinkus an der Froschaugasse nicht mehr gibt. Wo gibt es sonst noch in Zürich so viele gesellschaftskritische Bücher zu kaufen? Wo sind sonst in der Stadt so viele linke und kritische Zeitschriften zu finden? Nirgendwo.

Die Buchhandlung im Volkshaus ist aber noch viel mehr als das. Zwar gibt es das Antiquariat Germond an der Frankengasse, das auf Sportbücher spezialisiert ist. Aber keine andere Buchhandlung in Zürich dürfte so viele Fussballbücher, auch ganz aktuelle, führen wie die Buchhandlung, die bis vor zwei Jahren noch Buchhandlung am Helvetiaplatz geheissen hat. Dass Tommy Egger, der eine der beiden Besitzer, ein exzellenter Fussballkenner und bekennender Anhänger des FC Basel ist, dürfte mit ein Grund sein für die vielen Fussballbücher.

In der "Katakombe", wo jeweils die Lesungen stattfinden

Links und fussballfreundlich. Das sind zwei Merkmale. Psychoanalyse und Lacan im speziellen sind zwei weitere. Eine ausgezeichnet und grosszügig geführte Lyrikabteilung, ein gut sortiertes Gestell mit Theaterliteratur und eine süsse Erotikabteilung, die nicht im Keller versteckt wird, sondern im Galeriegeschoss thront, auch das ist die Buchhandlung, von der aus Martin Bossard, der andere Teilhaber, mit dem roten – und mit dem Namen der Buchhandlung beschrifteten – Lieferauto oder mit dem Rad zu Lesungen fährt, an denen er den Bücherstand betreut. Was es mit der hinter einer Tür versteckten Abteilung albanischer Bücher an sich hat? Sie befindet sich in einem Nebenraum der Katakombe, jenes Teils der Buchhandlung im Kellergeschoss, in dem regelmässig Lesungen stattfinden, Lesungen, die anders, häufig weitaus mutiger und origineller sind als Lesungen anderer Buchhandlungen in Zürich. Lesungen mit israelkritischer Palästinaliteratur in einer Buchhandlung gefällig? Hier finden sie statt. Eine Lesung mit einem Freizeitautor aus dem Kreis 4, der anderswo in der Stadt seine Quartiergeschichten nicht vortragen könnte: Hier gibt es sie. Veranstaltungen mit dem in Kanada lebenden serbischen Autor David Albahari? Nur hier! Dass vor Jahren sogar ein Buch erscheinen konnte, in dem es ausschliesslich um die vielen Lesungen in der Katakombe geht, ist wohl ebenso bezeichnend wie das Lesezeichen, das man manchmal nach einem Bucheinkauf in dieser Buchhandlung bekommt: „Jelinek, Marx, Freud“ sind die drei Autorennamen auf dem Lesezeichen, nicht Martin Suter und Paulo Coelho. Die Liste der Autorinnen und Autoren, die hier in den letzten Jahren gelesen haben, ist eindrücklich. Manchmal müssen die Lesungen angesichts des grossen Publikumsandrangs in einen grösseren Saal verlegt werden: Gut deshalb, dass sich die Buchhandlung im grossen Volkshaus befindet, wo im selben Gebäude mehrere Säle zur Verfügung stehen. Gerhard Schröder und David Grossman haben schon oben im Haus gelesen. Ein Blick in das Buch „Die Katakombe – Zürichs Literatenkeller 1940-1973“ von Marthe Kauer, die die Buchhandlung noch unter ihrem ursprünglichen Namen „Genossenschaftsbuchhandlung im Volkshaus“ geführt hat, zeigt noch andere Namen von Autoren, die hier einst zu Gast waren: Bert Brecht mit Georg Solti als Begleiter am Klavier, Mascha Kaléko, Hans Weigel , Margarete Susmann und die beiden damals noch jungen Autoren Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt.

Dienstags und freitags findet auf dem nebenan gelegenen Helvetiaplatz der grosse Lebensmittelmarkt statt. Manchmal kaufe ich auf dem Markt Früchte und Gemüse ein, hole Brot am Stand der Kilchberger Bäckerei und gehe anschliessend bei Martin Bosshard und Tommy Egger vorbei, um noch ein Buch in die Einkaufstasche zu legen, das ich im Café Casablanca an der Langstrasse bei einem grossen Milchkaffee und Birchermüesli zu lesen beginne.

 

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